Berichte: HNA-Hofgeismar

Dienstag, 09. November 2021, Hofgeismarer Allgemeine / Titelseite100 Tonnen Hilfsgüter aus der Region für Südosteuropa


Die Initiatoren der Südosteuropa-Hilfe können sich beim Verladen der Hilfsgüter immer auf zahlreiche ehrenamtliche Helfer verlassen. Ein starkes Team (Bild) half jetzt in Ostheim mit. Bewusst hatte man dieses Jahr auf Werbung für die Aktion verzichtet, weil man das Aufkommen sonst nicht mehr bewältigen könnte, berichten die Organisatoren Günter Rüddenklau und Ottmar Rudert. Auch so kamen wieder mehr als 100 Tonnen Hilfsgüter zusammen, vom Küchengerät über Schuhe und Rollstühle bis hin zu Decken und Betten. Das alles fährt man in diesen Tagen mit insgesamt zehn Lastwagen nach Moldawien, Rumänien und in die Ukraine.Die Initiatoren der Südosteuropa-Hilfe können sich beim Verladen der Hilfsgüter immer auf zahlreiche ehrenamtliche Helfer verlassen. Ein starkes Team (Bild) half jetzt in Ostheim mit. Bewusst hatte man dieses Jahr auf Werbung für die Aktion verzichtet, weil man das Aufkommen sonst nicht mehr bewältigen könnte, berichten die Organisatoren Günter Rüddenklau und Ottmar Rudert. Auch so kamen wieder mehr als 100 Tonnen Hilfsgüter zusammen, vom Küchengerät über Schuhe und Rollstühle bis hin zu Decken und Betten. Das alles fährt man in diesen Tagen mit insgesamt zehn Lastwagen nach Moldawien, Rumänien und in die Ukraine.

 

geh/mam Foto: Gerd Henke      SEITE 3

geh/mam Foto: Gerd Henke     ➔ SEITE 3
geh/Die Initiatoren der Südosteuropa-Hilfe können sich beim Verladen der Hilfsgüter immer auf zahlreiche ehrenamtliche Helfer verlassen. Ein starkes Team (Bild) half jetzt in Ostheim mit. Bewusst hatte man dieses Jahr auf Werbung für die Aktion verzichtet, weil man das Aufkommen sonst nicht mehr bewältigen könnte, berichten die Organisatoren Günter Rüddenklau und Ottmar Rudert. Auch so kamen wieder mehr als 100 Tonnen Hilfsgüter zusammen, vom Küchengerät über Schuhe und Rollstühle bis hin zu Decken und Betten. Das alles fährt man in diesen Tagen mit insgesamt zehn Lastwagen nach Moldawien, Rumänien und in die Ukraine.
geh/mam Foto: Gerd Henke     ➔ SEITE 3 Foto: Gerd Henke     ➔ SEITE 3

Lagerraum für viele Hilfsgüter: Die Scheune von Ottmar Rudert war wieder mit tausenden Spendengütern und Fahrrädern gefüllt. Foto: Gerd Henke


Mittwoch, 30. Juni 2021, Hofgeismarer Allgemeine / LokalesFür jede Familie 100 Kilo KartoffelnHilfe zur Selbsthilfe in Rumänien – Pflanzaktion ist gut angelaufen VON GERD HENKE



Beatmungsgeräte gespendet: ASB unterstützt Hilfstransporte nach Südosteuropa  22.06.2021

Spendenübergabe: ASB-Geschäftsführer Michael Görner (von links) überreichte den Landwirten Günter Rüddenklau und Ottmar Rudert zwei neuwertige Beatmungsgeräte für deren Hilfstransporte. 


Ostheim/Westuffeln/Zhytomir – Eisige Kälte und meterhohe Schneeberge – das waren die Bedingungen, unter denen die Hilfsaktion für Südosteuropa jetzt in der Ukraine fortgesetzt wurde. Nach dem großen Hilfskonvoi im Herbst nach Rumänien verteilten die beiden Initiatoren der Aktion, Ottmar Rudert (Ostheim) und Günter Rüddenklau (Westuffeln), ab Mitte Februar weitere Spenden aus Nordhessen in der Ukraine.

„Wir hatten im vergangenen Jahr unseren Partnern vor Ort versprochen, dass wir versuchen wollten, die Ausstattung für ein Altenheim zu besorgen“, berichten Rudert und Rüddenklau. Denn das, was sie bei dem Besuch eines Seniorenheimes in einer Gemeinde nahe der Großstadt Zhytomir vorgefunden hätten, habe das ganze Ausmaß der miserablen Versorgungslage in der Ukraine offenbart. Die alten Menschen hätten dort teilweise auf schmalsten Betten schlafen müssen, deren Gitterroste oder Bretter nur mit Decken abgedeckt gewesen seien. „Es war schon damals unser Anliegen, solch unhaltbare Zustände zu beenden“, sagen die beiden. Das ist ihnen offenbar in vollem Umfang gelungen.

„Wir können sagen, dass wir ein Altenheim nahezu vollständig mit Betten, Rollstühlen und Rollatoren ausstatten konnten“, sagt Rudert. Darüber hinaus wurden noch Brillen, Windeln und Lebensmittel verteilt „und sogar einen Defibrillator konnten wir übergeben“, ergänzt Rüddenklau.

In dem Heim in der Gemeinde Iwanowa, etwa 150 Kilometer westlich von Kiew, leben 40 ältere Menschen, betreut von etwa 20 Pflegerinnen und Pflegern. Das Monatsbudget für Löhne, Verpflegung und Betriebskosten betrage nicht mehr als 6000 Euro, berichten die beiden. „Das ist eigentlich kaum vorstellbar für ein Land, das über fruchtbarste Böden verfügt und früher als die Kornkammer Europas galt“, so die beiden Biobauern. Doch die heutigen Verhältnisse seien das Resultat von jahrzehntelanger Korruption und Misswirtschaft.

Wie bei allen Hilfslieferungen nach Südosteuropa sind es vor allem die zahlreichen Spender aus unserer Region, die zum Erfolg der Aktion beitragen. In diesem Fall sei es Klaus Vering, Leiter der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen, gewesen, der maßgeblich zum Gelingen beigetragen habe. Denn Vering besorgte nicht nur ausrangierte Betten aus den eigenen Heimen, sondern schloss sich auch mit den Leitungen anderer Pflegeeinrichtungen und Kliniken kurz. So steuerten unter anderem auch die Lungenfachklinik Immenhausen, die Senioren Pflege- und Begegnungsstätte Kaufungen, die ASB Wohnen und Pflege Lohfelden, das Haus Abendfrieden in Zierenberg sowie die Sanitätshäuser Wilhelmshöhe und Sport-Line in Hofgeismar Sachspenden bei.

An dem Konzept der schwerpunktmäßigen Unterstützung wollen Rudert und Rüddenklau festhalten. So soll im nächsten Jahr ein weiteres Altenheim im Ort Storaya Kotelnya ausgestattet werden. Dabei folgen die Initiatoren den Empfehlungen von Pfarrer Nikolai, dem Seelsorger einer freikirchlichen Gemeinde in der Hauptstadt Kiew.

Weil auch im vergangenen Jahr wieder Geldspenden in ausreichendem Maße eingingen, konnten Rudert und Rüddenklau in der Ukraine noch Lebensmittel für die Dorfbewohner von Iwanowa kaufen. Nicht fehlen durfte dabei – wie üblich – Schokolade für die Kinder.

Dienstag, 08. Juni 2021, Hofgeismarer Allgemeine / LokalesRollstühle für RumänienVon Awo entsorgte Hilfsmittel kommen nach Osteuropa

Aus dem Container auf den Anhänger: Der Westuffelner Landwirt Günter Rüddenklau hat die entsorgten Rollstühle und Rollatoren beim Awo-Pflegeheim in Kassel-Wehlheiden abgeholt. In den nächsten Tagen sollen sie nach Rumänien gebracht werden. Mit dieser Lösung ist auch Sigrid Wieder, Sprecherin der Awo, zufrieden. Foto: Dieter SchacHtschneider

Kassel/Westuffeln – Nicht mehr benötigte Rollstühle und Rollatoren wurden kürzlich vom Kasseler Awo-Pflegeheim am Gesundheitszentrum an der Wilhelmshöher Allee in einem Müllcontainer entsorgt. Nachbarn kommentierten diese Entsorgungsaktion als Vergeudung und Verschwendung.

Inzwischen hat dieser Vorgang eine glückliche Wendung genommen: Vor einigen Tagen hat Bio-Landwirt Günter Rüddenklau aus Westuffeln die rund 15 Rollstühle und Rollatoren abgeholt. Sie stammen von mittlerweile verstorbenen Bewohnern des Pflegeheims. Rüddenklau organisiert zusammen mit seinen Kollegen Ottmar Rudert aus Ostheim inzwischen seit 15 Jahren Hilfstransporte nach Osteuropa (wir berichteten). In diesen Tagen sollen die Rollstühle nach Rumänien gebracht werden, sagte Rüddenklau. Nicht nur die aus dem Awo-Pflegeheim. Auch andere Einrichtungen hätten sich gemeldet, die Hilfsmittel für gehbehinderte Menschen abzugeben hatten.

Rüddenklau berichtet, dass in Rumänien Hilfsmittel wie Rollstühle oder Rollatoren für die ärmere Bevölkerung nicht zur Verfügung gestellt werden. Deshalb müssten alte Menschen zum Teil an Holzstöcken gehen, weil sie keine Krücken hätten.

Um so größer sei die Freude, wenn es Spenden aus Deutschland gebe. Die Rollstühle würden in Rumänien zunächst gecheckt und repariert. Dort arbeiten die beiden Landwirte mit Kirchengemeinden und Behindertenwerkstätten zusammen.

„Jetzt haben wir doch noch eine schöne Lösung gefunden“, sagte Sigrid Wieder, Sprecherin der Arbeiterwohlfahrt, bei der Übergabe. Normalerweise würde die Awo nicht mehr benötigte Hilfsmittel an eine Organisation in Fulda abgeben. Die letzten Monate seien für die Einrichtungen – bedingt durch die Coronapandemie – aber sehr belastend gewesen, ergänzte die Sprecherin. Deshalb habe man einen Weg gesucht, die Rollstühle schnell entsorgen zu können, und einen Container zur Entsorgung aufgestellt.

Wieder merkte an, dass eigentlich die Krankenkassen für die in den Pflegeheimen nicht mehr benötigten Hilfsmittel zuständig sind. Die Kassen würden aber ihre Verantwortung an andere Institutionen verlagern, die eigentlich etwas anderes zu tun hätten, so die Kritik der Awo-Sprecherin.  use/ber



Mittwoch, 05. Mai 2021, Hofgeismarer Allgemeine / LokalesHelfen ist ihr HobbyBiobauern Günter Rüddenklau und Ottmar Rudert unterstützen Kartoffelanbau in Rumänien VON GERD HENKE

Ostheim/Westuffeln – Auf einem Biohof gibt es immer viel zu tun. Erst recht im Frühjahr, wenn die Felder bestellt werden, gedrillt, gesät und gedüngt werden muss. Doch wenn Günter Rüddenklau in diesen Tagen seine Biogasanlage überwacht und seine Mitarbeiter einweist, dann ist er mit seinen Gedanken oft 1800 Kilometer weit weg. In Rumänien.

Dort will er zusammen mit Ottmar Rudert, seinem Freund und Berufskollegen, ein neues Projekt auf den Weg bringen. Die beiden wollen für arme Menschen in der Nähe der Provinzhauptstadt Tirgu Mures am Rande der Karpaten auf einem fünf Hektar großen Acker Kartoffeln pflanzen lassen.

Die Hintergründe

Hilfe leisten die beiden schon seit 2008 in Südosteuropa. Zunächst in Moldawien, dann in Rumänien und in den vergangenen Jahren auch in der Ukraine. Angefangen hat die Aktion vor 13 Jahren mit einer Einladung eines Moldawiers, der als landwirtschaftlicher Praktikant eine Saison lang auf dem Hof von Ottmar Rudert in Ostheim arbeitete. „Wir sollten ihn und sein Dorf doch mal besuchen“, erinnert sich Rudert. Und weil ein bisschen Neugier und vielleicht auch ein wenig Abenteuerlust in Rudert und Rüddenklau stecken, nahmen sie die Einladung an und machten sich noch im Spätherbst des Jahres auf die Reise.

Die erste Fahrt

Aber einfach nur auf Besuchstour zu gehen, ist Sache der beiden Landwirte nicht. Aus ihren Gesprächen mit dem Praktikanten wussten sie, dass in Schulen und öffentlichen Verwaltungen der ehemaligen Sowjetrepublik das digitale Zeitalter noch in den Kinderschuhen steckte. Computer und moderne Kommunikationsmittel waren heiß begehrt. Zur gleichen Zeit erlebten Schulen hierzulande einen Modernisierungsschub. PCs und Zubehör wurden massenhaft durch neues Gerät ersetzt.

Rudert und Rüddenklau sammelten das ein, was für hiesige Verhältnisse veraltet war, packten es auf einen Lkw und dirigierten diesen an die moldawische Grenze. Aufgrund der Zollvorschriften an der EU-Außengrenze ging es von dort nicht weiter. „Doch unser rumänischer Lkw-Fahrer wusste Rat“, sagt Rudert. „Er schlug uns vor, die begehrte Ware einfach in seinen Ort umzuleiten.“ Zwei Tage später freute sich die Kirchengemeinde im rumänischen Pietra Neamt über die Ladung.

Die Erfolgsgeschichte

„Es ist bei uns kaum vorstellbar, wie dankbar die Menschen dort über gebrauchte Sachen sind, die bei uns weggeworfen werden“, sagt Rüddenklau. Weil die beiden selber von dieser Dankbarkeit der Rumänen überwältigt waren, war der Entschluss gefasst: „Das müssen wir fortsetzen.“ Wie sich in den Folgejahren herausstellte, war die Idee der Südosteuropahilfe eine einzige Erfolgsgeschichte. So wurde der Hilfskonvoi, der in jedem Herbst in Ostheim und Westuffeln startet, von Jahr zu Jahr umfangreicher. Aus den anfangs ein, zwei Lkw sind inzwischen mehr als ein Dutzend geworden. Vergangenes Jahr waren es 14 Transporte mit Bekleidung, Fahrrädern, Rollstühlen, Betten, Haushaltsgeräten und Lebensmitteln mit einem Gesamtgewicht von 150 Tonnen. Zur Finanzierung der Transportkosten tragen die Geldspenden zahlreicher Firmen, Organisationen und Privatpersonen aus unserer Region bei.

Dass die Spendengüter aus Deutschland immer dorthin gelangen, wo sie am dringendsten benötigt werden, das wissen Rudert und Rüddenklau unter anderem auch vom Christlichen Hilfsdienst Bad Hersfeld, ihrem Kooperationspartner in Rumänien und der Ukraine.

Die aktuelle Lage

Rumänien ist seit 2007 Mitglied der EU. „Wirtschaftlich hat es seitdem einen deutlichen Fortschritt gegeben“, sagt Rüddenklau und ergänzt mit einem Augenzwinkern: „Wenn ,Fressnapf‘ in einem Land Filialen eröffnet, dann ist das Gröbste geschafft.“ Das heißt jedoch nicht, dass Armut überwunden ist. „Viele Arme fallen noch immer komplett durch jegliches Raster“, sagt Rudert. In der Corona-Pandemie gebe es Familien, die am Hungertuch nagen. In Fogarasch, einem Oberzentrum im Karpaten-Bogen, habe Elisabeth Reinhardt, eine Kooperationspartnerin vor Ort, im Vorjahr 500 arme Familien betreut, in diesem Jahr seien es aber schon rund 600 Familien.

Die Freundschaften

In solchen Brennpunkten zu helfen, das ist das Anliegen der beiden Nordhessen. Ihre unbürokratische, direkte Art des Helfens hat sie mit vielen Menschen in den Ländern Südosteuropas in Kontakt gebracht. Wobei sie armen Menschen immer auf Augenhöhe begegnen. „Daraus haben sich im Laufe der Jahre viele Freundschaften entwickelt“, sagen sie. Weil ihnen ihr großes, in ganz Nordhessen bekanntes Hilfsprojekt selber so viel an Freude und Genugtuung gibt, betrachten sie es inzwischen auch als Hobby. „Ein Hobby, das nur Gewinner kennt: Spender, Empfänger und uns als die Vermittler“, so Rudert.

Die Organisation

Dass ihr Projekt ein solcher Erfolg werden konnte, hängt auch mit ihren Berufen zusammen. Als Leiter von gut am Markt positionierten Betrieben verstehen sie zu organisieren.

Aber: „Wir sind jetzt an der Grenze dessen, was wir zwei noch leisten können, viel mehr können wir nicht machen“, sagt Rüddenklau. Schließlich seien sie in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt vier Wochen für ihr Projekt in Rumänien und der Ukraine unterwegs gewesen.

Und jetzt schon wieder: „Denn auch in Rumänien müssen nun die Kartoffeln in die Erde“, sagen sie. Damit Arme im September etwas Wertiges zu essen haben